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Adolph Freiherr Knigge

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Knigge im Urteil eines Zeitgenossen

Knigge im Urteil eines Zeitgenossen
 
 
  Jens Baggensen: Das Labyrinth oder Reise durch Deutschland und die Schweiz (1789)  
 
Im Jahr 1789 unternimmt der damals 25jährige Däne Jens Baggensen eine Reise durch Deutschland und die Schweiz. Seine Reiseroute wählt er so, dass sie ihn in die Nähe aufgeklärter deutscher Denker fühlt, deren Gespräch er sucht: Voß in Eutin, Klopstock in Hamburg, Gerstenberg in Altona, Bürger in Göttingen, Iffland in Mannheim und auch Knigge in Hannover. In seinem Reisebericht, der zum ersten Prosawerk von weltliterarischem Rang in dänischer Sprache wurde, finden wir eine sehr wohlwollende Schilderung Knigges durch einen Zeitgenossen. Nicht alle seiner Begegnungen kommentiert Baggensen so positiv. Etwa August v. Kotzebue kommt deutlich schlechter weg, über ihn schrieb der junge Däne nach einer Begegnung in Pyrmont: „... schließlich brach ein Komet, ein gewisser Herr Kotzebue herein, der nach meinem Empfinden die Harmonie vollkommen zerstörte. Der später so berüchtigte Verfasser eines mäßigen und mehrerer schlechter Schauspiele, einer äußerst verunglückten Reisebeschreibung und eines Pasquills, das ich nicht einmal nennen mag.“
baggensen

Jens Baggensen (1764-1826). Stich von Philipp Vilijn nach einer Zeichnung von Cornelia Scheffer 1807. Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel


Über seine Begegnung mit Adolph Freiherr Knigge schrieb Baggensen hingegen:

„Baron Knigge hat uns zum Mittagessen eingeladen. Er ist ein sehr unterhaltsamer Mann, der in seinem ganzen Anstand und Wesen so viel Originalität besitzt, daß man allein über sein Kinn ein ziemlich dickes Buch schreiben könnte. Tatsächlich ist es genauso lang, wie auf seinem Kupfer dargestellt - ich habe niemals ein längeres Kinn gesehen; doch bei alledem scheint mir die Physiognomie seines Besitzers eine der interessantesten auf der Welt zu sein. Es liegt viel Geist darin, und eine Milde ist darüber ausgebreitet, die sogleich besticht. Falls ich einmal Vorlesungen über die Physiognomik halten müßte - eine Verlegenheit, der ich zu entgehen hoffe -, würde ich sagen, wenn ich zu den Kinnen käme: „Lange Kinne sind Zeichen für Schwärmerei und Tätigkeit.“ Man stelle zur Probe eine Untersuchung im Kreise seiner Bekannten an. Es ist bekannt, daß die Römer lange Kinne hatten; noch bekannter ist, daß sie die tätigste Nation der Welt gewesen sind. Was die Schwärmerei betrifft, so hoffe ich, daß niemand ihnen dieselbe bestreitet. Ganz zu schweigen von ihrem Katechisnrus und seiner Erklärung - wo findet man mehr schwärmerische Gegenstände als im alten Rom, wo mehr echte Schwärmer? Vergeblich sucht man bei uns anderen Völkern nach Männern wie Curtius, Cato, Scaevola, Regulus und Brutus; doch ebenso vergeblich würde man nach so langen Kinnen suchen, wie sie, da bin ich sicher, zu Lebzeiten besessen haben.

Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, feine Lebensart und vor allem eine wunderbare Gefälligkeit zeichnen Baron Knigge aus. Sein Haus ist ein Muster an Bescheidenheit, Ordnung und Ökonomie. Ich hätte acht Tage darauf verwenden können, die Einrichtung seines Museums zu studieren, so sorgfältig war alles auf Zeitersparnis angelegt. Er arbeitet mit unglaublichem Fleiß und nutzt jede Minute, als wäre es die letzte. Obgleich er Kammerherr ist, versteht er sich, wie ich glaube, auf alle notwendigen Professionen; zumindest kann er seine Bücher selbst einbinden, im entsprechenden Falle seine Strümpfe stricken und seine Schuhe nähen. Wunsch nach Unabhängigkeit und das Unglück haben ihn gelehrt, mit allen Pfunden zu wuchern und aus allen eigenen Kräften Nutzen zu ziehen. Sein Leben und sein Lebenslauf würden höchst interessante Beiträge zur Geschichte der Kabale enthalten.

Nachdem er durch den abscheulichsten Betrug seine ansehnlichen Besitzungen verloren hatte, hat er trotz all seiner Talente und seiner beispiellosen Arbeitsamkeit bislang Mühe gehabt, seinen Stand reputierlich zu erhalten. Seine Tochter, die er selbst erzogen hat, soll, wie man mir sagt, das Muster eines liebenswürdigen jungen Frauenzimmers sein. Sie ist gegenwärtig in Detmold, von Pyrmont aus hoffe ich ihre persönliche Bekanntschaft zu machen.

Knigges übrige Werke füllen schon ein reichliches Regal, obgleich er noch in seinem besten Alter ist und sein tätiges Leben zumeist auf jenem großen Schauplatz zugebracht hat, wo jeder andere genug damit zu tun haben würde, seiner bürgerlichen Rolle zu entsprechen. Er ist Autor von drei umfangreichen Romanen, mehreren originalen und umgearbeiteten Schauspielen, Abhandlungen über Freimaurerei und von verschiedenen anderen teils anonymen Arbeiten. Seine wichtigste Schrift ist das Buch „Über den Umgang mit Menschen" Vor kurzem hat er unter dem Titel "Philos endliche Erklärung und Antwort“ Auskünfte über seine Verbindung zum berüchtigten Illuminatenorden gegeben, aus denen man den Geist und die eigentliche Beschaffenheit dieses Ordens genauer kennenlernt als aus allen erschienenen Originalschriften und mannigfachen Beiträgen über denselben. Diese geheime Gesellschaft, die Professor Weishaupt (ein Mann von Talenten, Kenntnissen und seltenem Wirkungsdrang, jedoch ohne Religion, geläuterte Philosophie und Menschenkenntnis) unter dem Namen "Spartacus" in Bayern gegründet und von dort in kurzer Zeit über das übrige Deutschland verbreitet hat, scheint ihre Rolle ausgespielt zu haben. Obgleich sie (nach allem Anschein) zumeist aus rohen und unwissenden Mitgliedern bestanden hat, die es ohne eigene ausreichende Aufklärung und Bildung unternahmen, andere aufzuklären und zu bilden, kann man ihre bedeutenden Verdienste doch nicht bestreiten. Ihre Originaldokumente verdienen gelesen zu werden, und wäre es nur, um zu lernen, wovor man sich bei dergleichen Einrichtungen zu hüten hat, die immer noch (wie hundert andere) anscheinend zu den notwendigen Übeln unserer Erde gerechnet werden müssen.

Ich sprach über diese Dinge nicht mit Knigge selbst - zum einen hatten wir über so vieles andere zu reden, zum anderen scheint er in seiner Erklärung alles gesagt zu haben, was er darüber sagen konnte und wollte. Er flößte mir ansonsten ebensoviel Vertrauen wie Achtung ein, und ich freute mich, in seiner Person einen interessanten und rechtschaffenen Mann mehr kennengelernt zu haben.“
 
 
 
   
   
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