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Adolph Freiherr Knigge

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Leben mit einem Handicap

Leben mit einem Handicap
 
 
  Leben mit einem Handicap  
  Anlässlich der Zuschrift unserer knigge.de-Userin Mila*, beschäftigten wir uns mit dem Thema: über den Umgang mit Behinderungen. Lesen Sie hierzu Milas Erfahrungsbericht.

 
 
„Aus meiner angelsächsischen Heimat bin ich einen recht unverkrampften Umgang mit meiner Gehbehinderung gewohnt. Man gibt mir etwa stillschweigend mehr Zeit, um mich höflich zur Begrüßung eines Gastes zu erheben, erwartet jedoch von mir stets professionelles und korrektes Verhalten.
Auch verstößt es nicht gegen die guten Sitten, sich höflich nach dem Grund für meinen Gehstock zu erkundigen. Und es ist mir auch gestattet, eine kurze höfliche Antwort zu geben oder sogar ausführlicher darüber zu sprechen, falls mein Gegenüber mir ein entsprechendes Interesse bekundet.

In Deutschland habe ich überrascht festgestellt, dass ich eine Art "Sonderstatus" besitze. Einerseits ist meine Behinderung wohl ein nicht gesellschaftsfähiges Thema. Es scheint aber hingegen zum guten Ton zu gehören, mich mit "Sie Arme!" und ähnlichen Mitleidsäußerungen zu bedenken, sobald mein Mann (er ist Deutscher) mich vorgestellt hat. Wenn ich sanft entgegne, dass es nicht so schlimm ist, schaut man irritiert; anscheinend ist es nicht angebracht, etwas zu erwidern.
Man erwartet auch nicht, dass ich persönlich die Gastgeber aufsuche, um mich für eine Einladung zu bedanken und vielleicht einen Strauß Blumen zu überreichen. Im Gegenteil wurde ich von meiner Schwiegermutter gar leicht getadelt, weil ich mich persönlich bei der 80-jährigen Tante meines Mannes für die Einladung zu ihrem Geburtstag bedankt hatte, anstatt direkt zu meinem Sitzplatz zu gehen.
Bei Geschäftsessen erwartet man nicht, dass ich mich zur Begrüßung eines Vorgesetzten erhebe, obwohl das alle Kolleginnen und Kollegen tun. Bei meinem Tempo bedeutet dies nämlich, dass ich gerade aufgestanden bin, wenn der Vorgesetzte bereits sitzt. Kollegen haben mir gesagt, ich müsste nicht aufstehen. Ich unterlasse dies seither, obwohl ich dazu doch sehr wohl in der Lage wäre und empfinde mein Verhalten selbst eigentlich als unhöflich. Mir fällt ebenfalls auf, dass es nicht üblich ist zu warten, bis ich meinen Mantel angezogen habe. Vielmehr wartet man vor dem Lokal auf mich.

 
 
Total normal?

Ich habe den Eindruck, dass man im Unterschied zu meiner Heimat von mir in Deutschland erwartet, meine Anwesenheit möglichst unsichtbar zu gestalten, indem ich auf einen Gang zum Buffet, eine Begrüßung der Gastgeber und all die Kleinigkeiten, die nun mal zu einer Festivität gehören, verzichte.
Auch all die kleinen schweigenden Hilfestellungen: Eine aufgehaltene Türe, die Hilfe beim Anziehen meines Mantels, einen zurechtgerückten Stuhl, vermisse ich.
Ist es so, dass ich in Deutschland verpflichtet bin, meine Mitmenschen vor dem Anblick meiner Behinderung zu bewahren und man mich dafür im Gegenzug von allen gesellschaftlichen Verpflichtungen entbindet?
Mein Mann hat mir erklärt, dass es in Deutschland a) nicht üblich ist, sich als behinderter Mensch wie ein Nichtbehinderter zu benehmen und b)ein solches Verhalten dazu führt, dass man eben genauso wie ein Nichtbehinderter behandelt wird und damit keine Hilfestellungen bekommt? Dies alles mag ich nicht wirklich glauben.“

Knigge.de möchte an dieser Stelle unserer Userin Mila für ihren ausführlichen Erfahrungsbericht herzlich danken! Denn sie thematisiert hier sehr eindrucksvoll Problemfelder, die offensichtlich Nichtbehinderte im Umgang mit behinderten Menschen in Deutschland haben.
Denn viele Menschen sind unsicher, verlegen, übervorsichtig, oder gar untätig, wenn sie mit Handicaps bei ihrem Gegenüber „konfrontiert“ werden. Dabei finden es die meisten behinderten Menschen nicht schlimm, wenn Andere im Umgang mit ihnen vielleicht nicht alles korrekt machen, unpassende Begriffe verwenden oder ähnliches. Vielmehr stört es sie aber, wenn Nichtbehinderte den Umgang mit ihnen aus Unsicherheit (ver-)meiden. Oder sie für diese gar unsichtbar werden.

Da Unsicherheit oft aus Unkenntnis erwächst, sollten Sie für einen unverkrampften Umgang untereinander am besten diese elementaren Verhaltenstipps assimilieren:

 
 
Tappen Sie nicht in die "Handicap-Falle"

Menschen mit Behinderungen sind zuvorderst ganz normale Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie leiden nicht ständig unter ihrer Behinderung. Sie gehen arbeiten, sind fröhlich, haben Freunde, gehen auf Reisen - sind schlicht gesagt: wie du und ich. Nur das Leben im Rollstuhl oder das ohne Augenlicht unterscheidet sie vom Nichtbehinderten. Darum kann auch ein zutiefst ehrlich empfundenes Mitleid völlig unangebracht sein und verkrampft nur unnötig den Umgang.
Bemerken Sie, dass ein Mensch mit Behinderung im Alltagsgeschehen Ihre Unterstützung benötigen könnte, dann sprechen Sie ihn doch darauf an. Packen Sie ihn bloß nicht einfach am Arm, um ihm über die Straße zu helfen. Sicherlich, es wäre gut gemeint. Aber wie würden Sie reagieren, wenn ein Fremder Sie ohne ein Wort packt und über die Kreuzung lotst? Also helfen Sie dort, wo Ihr Angebot dankend angenommen wird, aber rauben Sie niemandem seine Eigenständigkeit.
Verhalten Sie sich im Umgang mit behinderten Menschen nicht wie die drei berühmten Affen, also: nichts hören, nichts sehen, nichts reden! Sondern gehen Sie unverkrampft, natürlich und positiv auf Ihr Gegenüber zu.
Und nicht zu letzt sollte es die Hilfsbereitschaft, die Mila zu Recht angemahnt hatte, von allen für alle geben. Denn Manieren sind Ausdruck einer inneren Haltung, des Anstands nämlich.

* Name von der Redaktion geändert
 
 
< Die Vertreibung aus dem Raucherparadies Der Gesundheits-Knigge >
 
   
   
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