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Langsam beginnt sich Jo unbehaglich zu fühlen. Joachim, seines Zeichens aufstrebender Jungmanager, war mit viel Elan und der Gewissheit des sicheren Sieges in dieses Gespräch gegangen. Es ging um eine neue Position in seinem Unternehmen, in dem er seit drei Jahren (es war seine erste Stelle nach dem Studium) tätig war. Nun wollte die nächste Karrierestufe erklommen werden, und da ihm sein Chef grünes Licht signalisiert hatte, stand der Beförderung nichts mehr im Weg. Dachte er.
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| |  | | Katharina Starlay |
| Im Moment des Unbehagens sitzt Joachim nämlich dem Personalchef des Unternehmens gegenüber, der verflixt gut vorbereitet ist. Was er für einen vergnüglichen kommunikativen Segeltörn gehalten hat, wird nun zur unbequemen Fragestunde.
Joachim, gut aussehend, mehrsprachig und Ende Zwanzig hat nämlich während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften keineswegs nur gebüffelt! Während des Auslandssemesters in Spanien zum Beispiel hat er sich auch mit dem Studium diverser Fiestas und ihrer Vergnügungen befasst. Nicht dass es etwas gegen Landeskultur, Spaß und überhaupt gegen Feste zu sagen gäbe, findet der Personalchef. Aber musste er sich unbedingt dabei von seinem Kommilitonen fotografieren lassen – und das dann auch noch in ‚Facebook’ einstellen? Er fragt Joachim, wie er das mit seiner Vorbildfunktion in seiner ersten (gerade angestrebten) Führungsaufgabe vereinbaren will.
Bei genauerem Hinsehen, konstatiert der Personalchef, der nun in Fahrt gekommen ist, seien die Bewerbungsunterlagen – verglichen mit denen externer Bewerber – relativ dürftig und hätten für eine neue Position, auch wenn sie im eigenen Unternehmen ausgeschrieben werde, ruhig aktualisiert und profiliert werden können. Ob er wisse, dass mit steigender Verantwortung und zunehmenden repräsentativen Aufgaben auch auf Stil, gepflegte Umgangsformen und tadellose Kleidung geachtet werde? Jo versucht die nicht geputzten Schuhe aus dem Blickfeld seines Gegenübers zu nehmen und errötet. Zu Beginn des Gespräches hatte schon der unüberhörbare Signalton einer eingehenden SMS verraten, dass er versäumt hatte, das Handy auf stumm zu stellen…
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| | | Peinliche Situationen wie diese sind Klassiker der Zukunft. Wo Bewerbung früher erst beim ersten Telefonat, dem ersten Anschreiben begann, setzt sie heute viel früher an: Nämlich bei allem, was Sie virtuell unternehmen. Es ist längst üblich, dass Portale wie Facebook und XING zur Recherche herangezogen werden. Sie runden das Bild, das ein Bewerber macht, ab – oder auch nicht. Referenzen werden heute eben nicht mehr nur auf Anfrage gegeben! Sie stehen im Internet. Damit wird Bewerbung zur Identitätsprüfung – heute mehr denn je.
Sich stilvoll zu bewerben setzt voraus, dass Sie sich mit der Zielbranche im Allgemeinen und mit dem angesprochenen Unternehmen im Besonderen echt auseinander gesetzt haben. Massensendungen von Lebensläufen bringen nichts außer einer hohen Retourenquote. Im Zeitalter des Internet erwartet das ausschreibende Unternehmen eine zielgerichtete Ansprache, die zur Aufgabe passt! Klar wird man von einem Hausmeister keine literarischen Formulierungen im Anschreiben erwarten – aber eine klare Aussage darüber, was er für das Unternehmen, bei dem er sich bewirbt, zu tun gedenkt und was ihn dafür qualifiziert. Und das gilt eigentlich für alle: Man muss eine individuelle und authentische Ansprache finden!
Wer noch nie oder lange keinen Lebenslauf mehr geschrieben hat, sollte sich in einschlägigen Büchern Rat holen. Denn niemand (auch kein Outplacementberater!) kann Ihnen abnehmen, was Ihre - allein Ihre - Aufgabe ist: Ihre Qualifikation und damit sich selber wirksam und glaubwürdig in Szene zu setzen. Überlegen, was ich von mir Preis gebe – und wie. Ein Bummelsemester im Ausland kann für einen internationalen Konzern erwähnenswert sein, wenn es den Sprachschatz erweitert hat. Anders allerdings, wenn Sie sich als Buchhalter oder Controller in einem mittelständischen Betrieb bewerben, der keine Auslandskontakte unterhält. Dann bekommt das Bummelsemester nämlich einen nachlässigen Beigeschmack.
In allen Stilfragen gilt nur zu sagen: Kümmern Sie sich drum! Einen kleinen Knigge-Patzer wird Ihnen jeder verzeihen, wenn Sie grundsätzlich signalisieren, dass Ihnen die Sache ernst ist und Sie sich Mühe geben. Wenn Sie aber die Gefühle Ihrer Gesprächspartner (zum Beispiel durch schlechte Vorbereitung) großspurig übergehen und Wertschätzung schuldig bleiben, werden Sie kaum punkten.
Ob Jo seine Beförderung erreicht hat?
Ihre Katharina Starlay
In 14 Tagen: Dufte Typen
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Katharina Starlay bietet auf knigge.de ihr Firmenseminar Kleidung Knigge Kompetenz an
Katharina Starlay ist Modedesignerin und Gründerin von stilclub.de. Neu ist ihre eigene Corporate Couture Kollektion für reisende Geschäftsfrauen – stilvoll und vorstandssicher.
Die Modedesignerin arbeitete neun Jahre als Führungskraft in der Mode- und Kosmetikbranche. Sie berät Führungskräfte und Unternehmen in Image-Fragen und trainiert Serviceteams und Personen in allen Fragen rund um den modischen Auftritt im Business und die persönliche Wirkung im Öffentlichkeitskontakt.
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