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Knigge im Gespräch - Diskret im Zentrum der Macht
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Knigge im Gespräch - Diskretion im Zentrum der Macht |
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„Über den Umgang mit Menschen“ von 1788 ist Adolph Freiherr Knigges bekanntestes Werk. Darin hat er wenig über den Umgang mit Messer und Gabel und über Kleiderordnung geschrieben. Sein Augenmerk lag in dem achtsamen Umgang miteinander und mit sich selbst.
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| | | Sind Manieren oberflächliche Formsache oder steckt mehr dahinter?
knigge.de: Lieber Baron, im Zentrum der Macht zahlt im Eifer einer Intrige manchmal der Unschuldigste die Zeche. Was haben Sie erlebt bei Hofe?
Baron Knigge: Ich habe an einem Orte, wo ich mich wahrlich äußerst vorsichtig aufgeführt hatte, unbeschreiblichen Verdruss erlitten.
kd: Wie kam es zu Ihrem Verdruss?
BK: Bloß dadurch, dass man mutmaßte, ich hätte eine gewisse Sache, die vorgegangen, gewusst oder wenigstens gemerkt, weil ich viel mit den Personen umging, welche darin verwickelt waren.
kd: Haben Sie dabei eine Rolle gespielt?
BK: Man konnte leicht schließen, dass ich keine Rolle dabei gespielt, ja, dass ich diese Sache nicht eher erfahren haben konnte, als bis sie schon geschehen ist.
kd: Diejenigen, die Sie angeschuldigt haben, haben Sie also falsch eingeschätzt?
BK: Man hätte überlegen sollen, dass ich ein freier, dienst- und pflichtloser Mensch war, folglich keinen Anlass hatte, den Fiskal oder Angeber zu spielen und mich in solche Händel zu mischen.
kd: Waren Ihre Argumente überzeugend?
BK: Nein, man war nicht so billig.
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| | | kd: Was raten Sie Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden?
BK: Ich rate an Höfen sich zu keiner Partei merklich zu schlagen, sondern seinen geraden Gang fortzugehen und sich um nichts zu kümmern, was uns nicht unmittelbar betrifft, höflich gegen jedermann, vertraulich aber nur unter vier Augen gegenüber den Allergeprüftesten zu sein.
kd: Dieser Rat erinnert mich an Situationen in der jüngsten Geschichte dieses Landes, in denen es empfehlenswert war, sich ähnlich bedeckt zu halten. Waren die Großen der Erde Ihnen gegenüber auch so diskret und vorsichtig?
BK: Meine Geheimnisse waren ihnen nicht wichtig genug, um sie treu zu bewahren. Immer meinten Sie, man wollte bei ihnen betteln, und sie verachteten den Menschen, der nicht glücklich, nicht frei war.
kd: Konnten Sie von den Großen Unterstützung erwarten?
BK: Die Menschen im Allgemeinen sehen uns mit ganz anderen Augen, wenn man ihrer zu bedürfen scheint.
kd: Wie machte sich das bemerkbar?
BK: Man ließ uns Gerechtigkeit widerfahren, man zeigte sich bezaubert von unseren Talenten, von unseren Kenntnissen, von den glänzenden Vorzügen unseres Geistes, solange wir mit all diesen schönen Eigenschaften nichts als höfliche Behandlung verdienen wollten. Solange wir als Fremde, als unabhängige Menschen niemandem im Wege standen.
kd: Und wann wendete sich das Blatt?
BK: Wenn wir unsere Vorzüge im Staate gelten machen und die erlaubten Vorteile erringen wollten.
kd: Wurden Sie dann nicht mehr so wohlwollend betrachtet?
BK: Dann fing man an, uns viel genauer, strenger zu beobachten und zu richten.
kd: Wie sind Sie damit umgegangen?
BK: Am besten ist es, wenn man der Mächtigen gar nicht bedarf, wenn man ihnen dies auf feine Art zeigt, ohne sich dessen laut zu rühmen.
kd: Wie haben Sie sich verhalten als Ihre Hilfe unentbehrlich war?
BK: Ich habe nie die Bescheidenheit und äußere Huldigung außer Acht gelassen. Wenn unser Scharfsinn, unsere größte Weisheit, unsere Festigkeit und Gradheit ihnen Ehrerbietung einflößte, ohne dass sie uns eigentlich fürchteten; wenn wir uns bitten, uns aufsuchen ließen, nicht aber unseren Beistand aufdrängten. Einen solchen Menschen haben sie sorgfältig geschont.
Illustration Christina Pfeiffer
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