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Adolph Freiherr Knigge

knigge.de - Manieren per Mausklick. Das Portal für Stil- und Etikettefragen mit einer umfangreichen Biographie von Adolph Freiherr Knigge.

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Dorothees Interview

Dorothees Interview
 
 
  Dorothees Interview - Graf Schönburg  
  Zum 255. Geburtstag von Adolph Freiherr v. Knigge stellt Dorothee für knigge.de Alexander Graf v. Schönburg-Glauchau die Frage, ob Manieren eine reine Auseinandersetzung mit Konventionen sind oder eher eine Frage der Lebensführung?

 
 
Schönburg und Knigge
Dorothee: Graf Schönburg, Sie sind zur Zeit Kolumnist bei Vanity Fair und eröffnen diese Interviewreihe an Baron Knigges 255. Geburtstag am 16. Oktober 2007.

Kennen Sie „Über den Umgang mit Menschen“ (1788) von Adolph Freiherr v. Knigge?

Graf Schönburg: Gelesen habe ich das Buch nie. Mein „Knigge“ ist das kurze, lesenswerte Büchlein des Philosophen Josef Pieper „Grundformen sozialer Spielregeln“ und auch sein lehrreiches Buch „Über die Tugenden“. Das Störende an Benimmregeln ist ja oft dieser erhobene Zeigefinger à la „Tu dies nicht“ und „Tu das nicht“ – und das ist recht eindimensional, denn wenn man dies oder das eben nicht tut, ist es ja damit erledigt. Das Schöne an Tugenden hingegen ist, dass sie gewissermaßen „unendlich“ sind. Man kann ja nie zu viel lieben, zu viel glauben, zu viel hoffen. Auch hat man noch nie gehört, dass jemand zu klug, zu tapfer, zu gerecht oder zu maßvoll gewesen sei. In Zeiten des Mangels sind Tugenden also etwas, mit dem man, ohne sich Vorwürfe machen zu müssen, verschwenderisch umgehen kann.

Dorothee: Welche Rolle spielen die mit Knigge verbundenen Werte für Sie?

Graf Schönburg: Ich kenne Knigges berühmtes Werk zu wenig, um diese Frage beantworten zu können. Aber „gutes Benehmen“ ist jedenfalls etwas Universelles, d.h. es spielt keine Rolle, wo man sie anwendet, ob in der Familie, im Beruf oder im öffentlichen Raum. Die Basis jeden guten Benehmens ist der RESPEKT. Also der Respekt vor sich selbst. Und der Respekt vor dem Nächsten. Es gab ja schon vor Knigge ein berühmtes Benimm-Buch über die „Kunst, bei Hofe zu gefallen“ – und schon bei dem Titel erkennt man eines fatales Manko: Bei Manieren denken viele, es komme darauf an, zu gefallen, nicht anzuecken. Dabei haben Manieren eher etwas mit Selbstachtung zu tun. Es hat mit dem Bild zu tun, das man von sich selbst hat. Wie benehme ich mich so, dass ich ohne meine Stirn in Falten zu legen, in den Spiegel sehen kann? Also mit Respekt VOR SICH SELBST. Das zweite Element in der „Benimm-Formel“ ist der Respekt vor dem Nächsten. Und das hat etwas mit Menschenwürde zu tun. Aus christlicher Sicht: Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen, wir sind Gottes Kinder und dadurch mit einer göttlichen Würde ausgestattet. Manieren hat also auch wesentlich damit zu tun, bei seinem Handeln größtmögliche Achtung vor der Würde des Nächsten zu haben. Aus christlicher Sicht ist hinzuzufügen: Je schwächer, je unscheinbarer der Nächste, desto größer die Würde. Wir Menschen neigen ja dazu, Achtung vor allem vor den strahlenden Persönlichkeiten zu haben, den Erfolgreichen, den Gesunden. Ein Blick auf dem am Kreuz gefolterten Christus (mit Dornenkrone statt Goldkrone!) hilft bei der Meditation über die Würde des verletzten, des schwachen Menschen. Wenn man darüber weiter nachdenkt, ist auch klar, warum es aus christlicher Sicht so wichtig ist, ungeborenes - also völlig schutzloses – Leben zu verteidigen und alle Unterscheidung in würdiges und unwürdiges Leben (siehe Euthanasie etc.) abzulehnen.

Dorothee: Wäre Adolph Knigge ein Zeitgenosse, würden Sie ihn erkennen? In wem?

Graf Schönburg: Der höflichste Mensch, den ich kenne, ist Asfa-Wossen Asserate. Sein Buch Manieren ist m. E. übrigens das klügste, das je zu diesem Thema geschrieben worden ist.

Dorothee: Wenn Knigge lebte, was würden Sie ihn fragen?

Graf Schönburg: Ob ich ihn mal zum Tee einladen dürfte.

Dorothee: Ihre Werte betreffend: Wann ist es Ihnen am besten gelungen, nach diesen Werten zu leben?

Graf Schönburg: Das ist ein ständiger Kampf. Es gibt Kräfte, die mich „nach unten“ und solche, die mich „nach oben“ ziehen. Bequemlichkeit, Kleinmütigkeit ziehen mich nach unten. Glaube, Hoffnung, Liebe, Vertrauen ziehen mich nach oben.

Dorothee: Sie kennen sicherlich eine Anekdote zum Thema Manieren...

Graf Schönburg: Gutes Benehmen hat ja auch sehr viel damit zu tun, andere nicht in Verlegenheit zu bringen, alles dafür zu tun, dass sich andere wohl fühlen. Mein Vorbild in dieser Hinsicht ist mein Onkel Rudolf, der in Südspanien lebt. Einmal gab er in seiner Wohnung ein Abendessen, bei dem er Spargel servierte. Einer der Gäste kam aus Australien und war mit den Sitten und Gebräuchen Europas nicht vertraut. Neben den Tellern standen kleine Schalen mit Wasser und jeweils einer Zitronenscheibe. Sie waren dazu bestimmt, sich nach dem Spargelgenuss die Finger zu säubern. Sein Gast wusste das nicht und trank aus dieser Schale, was bei den anderen Gästen für verständnisloses Kopfschütteln sorgte. Mein Onkel reagierte prompt und führte sein Wasserschälchen ebenfalls zum Mund, um dem Mann nicht das Gefühl zu geben, dass er einen Fauxpas begangen hatte.

Dorothee: knigge.de bedankt sich für dieses Gespräch. Der Leser findet Ihre Kolumnen regelmäßig bei Vanity Fair. 2005 erschien Ihr Buch Die Kunst des stilvollen Verarmens. Darin beschreiben Sie sehr schön, wie man „mit Dekorum unter die Räder kommt“.

Illustration Christina Pfeiffer
Graf Schönburg
Vanity Fair-Kolumnist
 
 
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